Die Leiter an der falschen Wand…

Ich weiß noch, dass ich meinen Instagram Account mit einem Bild von einem simplen Blatt Papier mit den Worten „Man muss tun, was man tun muss“ gestartet habe. Schon seit Jahren kommt mir dieser Satz immer wieder in den Sinn, vor allem in stressigen Zeiten. Aber was genau soll er eigentlich heißen?

Müssen im Sinne von Essen, Trinken, Schlafen, Rechnungen bezahlen? Oh wow, ich bin ein funktionsfähiger Erwachsener!

Ist es so etwas, das man von bestimmten Familienmitgliedern bei jedem Gespräch über die eigene Zukunft hört?

„Man muss eben durchbeißen“

„Manchmal muss man eben etwas machen, was einem nicht gefällt“

„Durch mein soziales Milieu bin ich darauf konditioniert einer Vorgabe für mein Leben zu folgen, das mir Sicherheit und Angepasstheit vorgaukelt, also schiebe ich meine eigenen Wünsche zur Seite oder rede sie mir so lange selbst aus, bin ich mich in ein System füge, das eventuell gar nicht auf mich zugeschnitten ist, damit ich den Großteil meiner Zeit mit etwas verbringen, das mich unglücklich macht oder das im besten Fall -okay- ist, bis ich mich irgendwann halb tot geschuftet hab, um dann endlich die letzten Jahren meines Lebens nicht mehr arbeiten zu müssen, in denen ich mich wahrscheinlich über all die verpassten Gelegenheiten ärgere, mich zurücksehne, meinen Kindern und Enkeln zum fünfhundersten Mal erzähle, was ich anders machen hätte sollen, bis man mich in einer Holzbox unter die Erde verfrachtet“?

Nein.

Dieses Müssen meinte ich nicht.

Und ehrlich gesagt, ist mir bis jetzt auch nicht aufgefallen, dass man den Leitspruch so auslegen kann. Ich meinte nicht die Pflichten, denen man eben als zurechnungsfähiger Mensch über achtzehn – manche schon früher – nachzugehen hat.

Ich meine, Müssen im Sinne von Leidenschaft. Passion. Wenn Wollen oder Wünschen keine passenden Begriffe mehr sind, weil man so sehr spürt, dass man etwas tun muss. Weil man da tatsächlich dieses Feuer in sich spürt, wovon man schon so oft gehört hat. Etwas, das einen antreibt. Wenn man bereit ist, (fast) alles für einen Traum zu geben. Das Muss macht aus einer Schwärmerei ein konkretes Ziel.

Und das Gegenteil.

Wenn ich mit jeder Faser meines Körpers spüre, dass ich etwas nicht tun will. Wenn etwas die „logische“ Entscheidung wäre, ich aber ganz genau weiß, dass es nicht das Richtige für mich ist. Was, wenn deinen Eltern unglaublich viel daran hängt, dass ihr Kind einen Titel vor dem eigenen Namen trägt, aber dich könnte so etwas nicht weniger kümmern – du möchtest lieber etwas anderes machen? Was, wenn du in deinem Leben Raum für dein kreatives Hobby schaffen willst, von dem jedoch nicht sehr viel Einkommen für dich abfällt, und all deine Freunde dich dazu drängen, deinen Brotjob doch auf vierzig Wochenstunden zu erhöhen?

Ist dir etwas aufgefallen?

In all diesen Beispielen wissen wir meist genau, was wir wollen oder was wir nicht wollen. Ich wage es, jetzt mal zu behaupten, dass wir selbst in Zeiten, in denen wir sagen, wir wüssten nicht weiter, schon erahnen können, was der nächste Schritt für uns ist. Im Grunde wissen wir, was zu tun ist.

Ganz oft weißt du schon, was du willst, aber du hast es so sehr aus deinem Bewusstsein verbannt, weil es „kindisch“ ist oder unlogisch oder ungewöhnlich, weil es deine Familie nicht zufriedenstellt, weil du dich nicht traust, es Wirklichkeit werden zu lassen.

Ich selbst lerne gerade, immer ehrlich zu sein, zu leben. Und die Person, mit der ich am ehrlichsten sein muss, bin ich selbst. Dann kann ich mich hinsetzen und sagen „So, was machen wir jetzt?“

Klar, manche Entscheidungen brauchen dann doch mal etwas Zeit, müssen sozusagen noch ein bisschen heranreifen. Doch ich für mich kann sagen, dass die Antworten auf meine Fragen alle in mir schlummern. Ich muss sie nur herauskitzeln – dazu darf ich mir auch gerne jedmögliche Inspiration holen.

Einen doch beachtlichen Teil meiner bisher relativ kurzen Zeit auf der Welt habe ich nicht gerade mit einer Leidenschaft für das Leben verbracht. Ich war mir zeitweise nicht so sicher, ob ich denn wirklich lebendig sein will.

Das ist jetzt ganz anders. Ich will leben. Ich will dieses Leben. Ich lerne mich mit jedem Tag besser kennen und mögen und selbst wenn meine Zwanziger mir nichts anderes geben, scheiß drauf, dann habe ich wenigstens gelernt, zu mir selbst zu stehen. Ich bin der einzige Mensch, mit dem ich bis an mein Lebensende auskommen muss.

Wir treffen so viele Entscheidungen, die auf Angst basieren. Hast du mal genau überlegt, was du alles aus irgendeiner Furcht heraus tust? Schrecklich, oder?!

Glaub mir, ich komme – neben unserer sowieso schon von Angst angetriebenen Gesellschaft – auch noch aus einer Familie, in der diverse Ängste wirklich stark vertreten sind und durch sie Lebensentscheidungen gefällt werden.

Das möchte ich nicht mehr.

Klar, ich möchte auch nicht das komplette Gegenteil davon machen und mich in eine Schwierigkeit nach der anderen bringen. Ich bin immer sehr für: Folge deinem Herzen, aber nimm dein Hirn mit!

Im Sinne von Unfuck Yourself beschäftige ich mich also gerade mit ein paar Baustellen meiner Existenz. Ich stecke die Nase in Bücher, über die ich früher nur arrogant die Augen verdreht habe, ich konfrontiere mich selbst, ich schaue mir meine Verhaltensmuster an, arbeite an meinen Denkweisen. Du weißt schon, ein bisschen mental den Garten umgraben, damit die Blumen wieder sprießen.

Doch das wahrscheinlich Wichtigste, das mich die letzten Wochen jeden Tag zittern ließ, das mich so blockiert hat, das auch sonst kaum etwas auf die Reihe gebracht habe (ja, ich schaue dabei mein Romanmanuskript an), war, dass ich etwas losgelassen habe.

Mir fällt es immer noch schwer, ein Wort dafür zu finden. Ich habe etwas … aufgegeben? Klingt gleich wieder so melodramatisch.

Ich habe etwas hinter mir gelassen (naja, auch nicht besser). Okay, ich hab etwas, von dem ich dachte, das ich es machen muss, wieder sein gelassen. Einfach so.

Weil es das Falsche für mich war. Weil ich mich selbst angelogen und unter Druck gesetzt habe. Dabei kannte ich die Wahrheit fast von Anfang an.

Meine Güte, hatte ich Schiss, wie mein Umfeld reagiert, „was denn aus mir wird!“ Dabei habe ich ganz umsonst Panik geschoben. Ich habe bereits Schul- und Berufsausbildungen, einen Job, den ich mag, einen lieben Freundeskreis, eine wahnsinnig tolle Familie, die mich unterstützt, und ich habe ganz viel Leidenschaft für etwas, das ich nebenher ebenfalls zu einer Karriere machen möchte. Etwas, das sich für mich richtig anfühlt.

Das von dem ich dachte, dass ich es unbedingt machen muss, ist mir nicht wichtig. Es ist nicht essentiell für mein Leben (oder Überleben), dass ich es mache. Also warum so viel Scham?

Jetzt, nachdem ich die Wahrheit ausgesprochen habe, fühle ich mich so viel freier. Ich kann atmen, ich kann schreiben, ich habe pro Tag unzählige Ideen für … alles mögliche! Genau so kenne ich meinen ständig auf Hochtouren laufenden Kopf. Ich fühle mich wieder wohl. Und ich bin stolz, denn jetzt habe ich mehr Zeit und Energie, die ich ihn die Dinge stecke, die wirklich gut für mich sind, die ich erreichen will und erreichen kann.

Und genau das kann dir niemand diktieren. Niemand kann dich zwingen, etwas zu machen, was für dich keinen Sinn ergibt, das sich von vorne bis hinten falsch anfühlt, das ständig bloß umständlich und schwierig und haareraufend ist (Sidenote: auch die Dinge, die man liebt, sind manchmal haareraufend, aber sie sind es einem trotzdem wert … daran erkennt man, ob man etwas wirklich will).

Ehrlich zu sein, authentisch zu leben, die Verantwortung anzunehmen – darauf kommt es mir an. Aber hey, auch hier ist jeder Mensch anders. Jeder muss für sich selbst seinen Weg finden. Denn es gibt keine Vorlagen. Wir sind viel zu unterschiedlich, als dass das Lebensmodell eines Mitmenschen mit all seinen zigtausend Details sich einfach über dein eigenes Leben stülpen ließe. Also kannst du die Suche nach Vorgaben (merke: nicht dasselbe wie Inspiration) gleich in die Tonne treten und stattdessen dein gestalterisches Potential erforschen.

Zum Schluss noch ein weiterer Gedanke, der mir in letzter Zeit sehr, sehr geholfen hat. Und mich stets schmunzeln lässt. Über Weihnachten musste ich mich leider unter der Sucht meiner Mama für ein ganz bestimmtes Musical mehrmals(!) DVD-Abenden zu Mamma Mia und Mamma Mia 2 aussetzen. … Ich sagte mehrmals!! Zwischen Weihnachten und Silvester! MEHRMALS TEIL EINS UND MEHRMALS TEIL 2. ICH MEINE, DAS – okay. Wie auch immer.

Trotzdem konnte ich mir etwas daraus mitnehmen (ja, nicht nur, dass die Lieder von ABBA verdammt gut ins Ohr gehen). In Teil zwei fällt ein Satz, den man sich wirklich mal auf der Zunge zergehen lassen muss.

„Wenn die Leiter an der falschen Wand steht, nützt es nichts, sie zu erklimmen.“

In diesem Sinne, macht’s gut, passt auf euch auf und hört auf euer Herz!
AnuLeiko

*kleiner Zusatz, den ich einfach mit reinnehmen muss: Das Zitat am Anfang dieses Beitrags, mit dem ich meinen Instagram Account eröffnet habe, stammt von einem uralten PC-Rollenspiel, das ich als Teenager geliebt hab. Und genau heute morgen, beim morgendlichen Social-Media-Durchscrollen stolpere ich über die Meldung, dass es endlich einen Nachfolger dafür geben soll. Wie wahrscheinlich war das denn?! (Ich hatte nämlich schon vor dem Leser dieser Meldung geplant, heute meinen Blogbeitrag zu posten). Entschuldigt mich bitte, ich muss jetzt das ganze Wochenende dämlich vor mich hingrinsen, weil ich mich so freue 😉

Website? Check!

Hallo und willkommen auf meinem kleinen Blog!

Diejenigen von euch, die mich von Instagram kennen, haben vielleicht schon mitbekommen, dass ich in letzter Zeit sehr mit dem Aufsetzen dieser Seite beschäftigt war. Anfangs gab’s ein paar Problemchen – wäre ja auch langweilig, wenn nicht.

Doch nun habe ich diesen Platz, um euch über mein aktuelles Schreibprojekt auf dem Laufenden zu halten, meine Erfahrungen in der Branche zu teilen und aus dem Wahnsinn des (angehenden) Autorenlebens zu berichten.

Keine Sorge, ich bin deshalb nicht weniger aktiv auf Instagram und Twitter. Ich werde auf diesen Plattformen weiterhin im gewohnten Rhythmus posten. Doch ab und an wird es einen Text geben, der dort einfach keinen Platz hat, Gedanken, die ich hier in Form eines Blogbeitrags veröffentlichen werde. Manchmal muss man einfach mehr in die Tasten tippen als eine nette Bildunterschrift bei Insta oder einen witzigen Tweet.

In Zukunft werde ich diesen Blog mehr und mehr zu einer vollständigen Autorenhomepage ausweiten – erste Buchveröffentlichung, Autorenfotos, press kits u.v.m. steht an!

Ich freue mich über jeden, der mich auf diesem Weg begleitet.